Urlaubsgrüße aus Gurkistan

Was soll man zu so einem Spiel sagen? Mit einer schier unglaublich schwachen Leistung und mit vermutlich gleich drei Päpsten in der Tasche erduselten sich die Grizzlys tatsächlich zwei Punkte. Den Gegnern aus Augsburg war nach Abpfiff die blanke Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben, hatten sie die Gastgeber doch mindestens 40 Minuten lang in allen Belangen über-, aber eben nicht getroffen. Wer unter den 3300 Zuschauern glaubte, dass der peinliche Auftritt in Düsseldorf ein Ausrutscher gewesen sei, der sah sich schnell eines Schlechteren belehrt.
Wolfsburg wirkte von der ersten Minute an läuferisch unterlegen, kam nicht in die Zweikämpfe und war meist mit dem Ausbügeln eigener Fehler beschäftigt. Dass die Begegnung nach den ersten zwanzig Minuten noch nicht zugunsten der Panther entschieden war, lag in erster Linie an einer riesigen Portion Glück und einem glänzend aufgelegten Brückmann im Tor der Grizzlys. Gleich zweimal traf Augsburg nur das Gestänge (5.Min/Sezemsky, 11.Min/Tölzer) und deckte das Tor der Gastgeber auch ansonsten mit reichlich Gummi ein. Wenn Felix Brückmann oder der Pfosten nicht im Weg waren, kam das Glück zu Hilfe: Der Puck tropfte hinter den Schonern des Wolfsburger Goalies aufs Eis, blieb aber vor der Torlinie liegen, die Schiedsrichter pfiffen obendrein zu früh ab.
Das Zweikampfverhalten einiger Akteure der Heimmannschaft war bis dahin nur als Frechheit zu bezeichnen. Die Grizzlys wirkten, als wären sie schon vor dem Anpfiff am Ende ihrer Kräfte gewesen und machten zu großen Teilen auch im Mittelabschnitt wenig Anstalten, dies zu verändern. Eine kleine Schar unverdrossener, zu denen auch Goalie Brückmann und Torjäger Rech gehörten, versuchte die Chance am Leben zu halten. Jubilar Likens (700. DEL -Spiel und damit absoluter Rekord für einen Ausländer) machte das auf seine Weise und legte sich mit Augsburgs Sezemsky an. Obwohl der Panther den Konflikt deutlich forciert hatte, gingen beide Akteure im Anschluss in die Kühlbox (31.). Zur allgemeinen Überraschung taten sich die sonst läuferisch unterlegenen Grizzlys beim eigentlich intensiveren 4 gegen 4 leichter und hatten tatsächlich eine kleine Phase auf Augenhöhe. Da dieser Phase unmittelbar das erste Powerplay der Gastgeber folgte, konnte das Publikum erst einmal durchatmen, bevor der Kasten der Grizzlys wieder unter Beschuss genommen wurde. Mit einer Mischung aus Verwirrung und Verwunderung ging es erneut ohne Tor für Augsburg in die Pause.
Offenbar hatte der seltsame Verlauf die Gäste reichlich Nerven und wohl auch Kraft gekostet. Das fruchtlose Anrennen im Stile einer Heimmannschaft hatte seine Spuren hinterlassen und so konnten die Grizzlys mit einer kleinen Leistungssteigerung tatsächlich erstmals in die Partie finden. Nach überstandener Strafe gegen Likens (42.) hatten die Hausherren gleich mehrfach vorzeigbare Möglichkeiten, von denen aber keine ihren Weg vorbei am ebenfalls gut aufgelegten Roy fand.
Ab Mitte des Drittels, Überraschung, waren dann wieder die Gäste am Drücker. Doch in Sachen Torausbeute blieben sich Panther und das Spiel als solches treu: 0:0 hieß es nach 60 gespielten Minuten und die Grizzlys durften sogar mit über einer Minute Rest-Powerplay in die Overtime starten. Der zu diesem Zeitpunkt gewonnene Punkt fühlte sich schon fast wie ein Sieg an - und es sollte noch besser kommen! Ganze 38 Sekunden durften die Gäste noch von der Genugtuung des zweiten Punkts träumen, dann netzte Wolfsburgs Casto aus dem hohen Slot zum 1:0 für die Grizzlys ein. Die Halle stand Kopf, das Spiel ebenfalls.
Wie es den Gastgebern am Ende gelungen ist, zwei Punkte mit der gezeigten Leistung zu erringen - es wird ein Rätsel bleiben. Lediglich der hervorragende Auftritt ihres Torwarts bot einen Anhaltspunkt für das Zustandekommen dieses im Großen und Ganzen unverdienten Siegs.

Aber wie es im Sport nun mal so ist: In zwei Wochen fragt keiner mehr nach der Leistung der beiden letzten Spiele gegen Düsseldorf und Augsburg. Viel wichtiger wird es sein, in den kommenden Wochen nicht regelmäßig unterzugehen, denn der Blick auf den Spielplan zeigt: Es folgt nun Duell auf Duell gegen Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte. Was das bedeutet, hat man im bisherigen Saisonverlauf eindrucksvoll erkennen dürfen. Da waren Leistungsträger wie Johansson, Olimb und (teilweise) Lessio allerdings mit an Bord.
Bleibt die Hoffnung auf schnelle Regeneration und die Rückkehr des einen oder anderen verletzten Akteurs. Ob Olimb zur Verfügung stehen wird (verletzte sich im letzten Drittel), steht bisher leider noch nicht fest.


Teamcheck

Tor
Felix macht mit einer Bombenleistung die Punkte möglich. Die Rebound-Kontrolle war zwar nicht immer vorbildlich, aber mit was für Reaktionen die Katze immer wieder ein Körperteil zwischen den Puck und den Grizzlykasten brachte: Hut ab, Hase raus!

Verteidigung
Zu langsam, zu schwach im Zweikampf. Casto teilweise so erschöpft, dass er in Zeitlupe zum Puck zu fahren schien - im ersten Drittel! Der Rest wirkte allerdings auch nicht viel fitter. Was ist da los?

Sturm
Zu langsam, zu schwach im Zweikampf. Die erste Reihe um Pfohl im ersten Drittel ein Totalausfall. Vor allem Pfohl und Fauser komplett ohne Einstellung zum Spiel, Pfohl schenkt zwischenzeitlich sogar einen Zweikampf ab und zeigt dabei katastrophale Körpersprache. Dass ausgerechnet Toto Rech, als ihr Nebenmann, einer der wenigen in Normalform war, machte den Abend für Wolfsburgs Torjäger sicherlich zur reinen Qual.
Aber auch die anderen Formationen wollten nicht nur nicht zünden, sondern lieferten ebenfalls teils unterirdische Leistungen ab. Abspielfehler und halbgares Backchecking erinnerten an die grandiose Niederlagenserie aus der Hinrunde.
Insgesamt wirkt das Team schlecht austrainiert und mit dem engen Spielplan offenbar überfordert. Das Fehlen von drei Leistungsträgern tut sein Übriges dazu. mb