Eine Prise Pech und ein Schuss Unvermögen

Vor mit rund 3450 Zuschauern gut gefüllten Rängen wollten die Grizzlys ihre kleine Siegesserie zu Weihnachten weiter ausbauen. Dass es am Ende nicht reichte, lag sicherlich vor allem am Fehlen von Leistungsträgern wie Lessio, Johansson und Furchner, hatte aber auch mit teils haarsträubendem Pech zu tun.
Gleich der Auftakt des äußerst unterhaltsamen ersten Drittels hatte es mit Chancen auf beiden Seiten mächtig in sich. Publikum und Spieler waren sofort wach, wobei die Gäste aus Köln in den ersten zwanzig Minuten etwas frischer und reaktionsschneller wirkten.
Nachdem Olimb und Marcel Müller ihre Chancen nicht genutzt hatten, entwickelte sich zunächst ein offener Schlagabtausch. Wolfsburg hatte dabei im Verlauf des Drittels gleich dreimal die Gelegenheit, in Überzahl seinen ersten Treffer klar zu machen, scheiterte aber meist schon am Aufbauspiel. Trotz dieser Unterzahlsituationen stellten die Haie bis zur ersten Sirene das Team mit den größeren Spielanteilen und setzten die Grizzlys ein ums andere Mal ordentlich unter Druck. Aronsons 0:1 fiel dann zwar glücklich (11.), weil massiv vom Gegenspieler abgefälscht, aber keineswegs unverdient.
Immer wieder offenbarten die Hausherren große Probleme dem Druck der Haie standzuhalten und ließen vor dem eigenen Tor viel zu viel zu.
Dank eines gut aufgelegte Felix Brückmann ging es mit nur einem Tor Rückstand in die Pause.
Die Grizzlys kamen spürbar angefressen aus der Kabine und schraubten die Taktzahl endlich ein gutes Stück nach oben. Plötzlich waren es die Gastgeber, die den Haien kaum Luft zum Atmen ließen, härter agierten und schneller reagierten. Wären die zwei Strafen gegen Mathis Olimb (30.) und Dominik Bittner (32.) nicht ausgesprochen worden (was mehr als im Bereich des Möglichen gewesen wäre), die Begegnung hätte durchaus einen ganz anderen Verlauf nehmen können. Wolfsburgs Energielevel war jetzt so hoch, dass in beiden Unterzahlspielen die Grizzlys die besseren Chancen hatten und mit mutigem Forecheck und viel Aggressivität eine Puckeroberung nach der anderen zu bestaunen war. Nur über die Linie wollte das Spielgerät irgendwie nicht. Kapitän Fauser in Unterzahl (30.), und Torjäger Rech (36.) völlig unbedrängt per Doppelchance scheiterten ebenso wie eine ganze Reihe aussichtsreicher Möglichkeiten doch noch im letzten Moment gestört oder von Wesslau entschärft werden konnten. Wie, um dem ganzen die Narrenkappe aufzusetzen, erzielten die Gäste mit dem Pausenhorn dann das 0:2 durch Frederik Tiffels. Einmal mehr hatte Olimb sich bei einem seiner gefürchteten Auftritte als letzter Mann verzockt, der anschließende Konter brachte das sauber zu Ende gespielte zweite Tor der Gäste. Die Uhr zeigte beim Einschlag noch stolze 0.4 Sekunden - kopfschüttelnd verließen die Fans der Grizzlys die Ränge zum Pausentee.
Köln blieb stabil, verwaltete den Vorsprung nun souverän ohne dabei die Effizienz schleifen zu lassen. Praktisch die erste Möglichkeit der Gäste fand umgehend ihren Weg über den Innenpfosten ins Tor (45.) und beantwortete eigentlich die Frage nach dem Sieger dieses Spiels. Hanowski hatte sich in Richtung Grizzlytor auf den Weg gemacht und konnte gleich von mehreren Gegnern nicht vom Puck getrennt werden. Als er in der Nähe des Tors endlich zum Stehen gebracht worden war, zirkelte der Haie-Stürmer das Spielgerät an zwei Gegenspielern und Brückmann vorbei ins Tor. Es war zum Durchdrehen - den Haien gelang im entscheidenden Moment fast alles.
Trotzdem sollte es für die zahlreichen Heimfans noch einmal etwas zu jubeln geben. Wie so oft in Spielen, in denen das gegnerische Tor vernagelt scheint, trifft jemand, der diesbezüglich wenig in Erscheinung getreten ist. In diesem Fall war es Marius Möchel, der seinen ersten Treffer der Saison (51.) verbuchen durfte und den Puck eiskalt unter die Latte nageln konnte. Aus ähnlicher Position (Direktabnahme im Slot) hatten drei seiner Kollegen im ersten Spielabschnitt nicht einmal den Puck getroffen...
Doch Köln blieb die Antwort auf den kleinen Hoffnungsschimmer der Gastgeber nicht lange schuldig.
Zwei Minuten später machte Marcel Müller mit dem 1:4 dann wirklich alles klar und das Spiel lief relativ unspektakulär seinem Ende entgegen.
Fazit: Für Gegner aus der oberen Tabellenhälfte reicht es offenbar nur unter günstigsten Umständen. Mit etwas Glück ist nach den drei nächsten Gegnern aus der unteren Tabellenhälfte der eine oder andere Verletzte zurück an Bord. Der Kampf mit Augsburg und Nürnberg um Platz 10 dürfte aber so oder so eine äußerst spannende Sache bleiben.

Teamcheck

Tor
Felix mit einem hervorragenden ersten Drittel, hielt die Grizzlys trotz Abschluss-Schwäche im Rennen um die Punkte. Beim vierten Treffer fehlte ihm zwar ein wenig die Sicht, der Schuss sah aber trotzdem nicht wirklich unhaltbar aus. Insgesamt mit einer guten Leistung.

Verteidigung
Rückkehrer Bergman noch nicht wieder voll drin. Beim dritten Tor fehlte ihm ein wenig die Konsequenz, ebenso wie Nebenmann Likens. Warum Bergman nicht wie gewohnt mit Jones zusammenspielte, bleibt das Geheimnis des Trainers. Die beiden waren wochenlang das Beste, was die Grizzlys defensiv zu bieten hatten. Wobei Höhenleitners Leistungen zusammen mit Likens generell eine Überlegung wert gewesen wären. Button ebenso mit einigen Wacklern. Insgesamt kein Glanztag der Defensive, in der man noch einmal verstärkt über die Paarbildung nachdenken darf.

Sturm
Die Reihe um Heimkehrer Pfohl mit Kapitän Fauser und Torjäger Rech funktionierte ebenso wie die Reihe Latta/Möchel/Valentin. Die "Reste-Reihe" mit Aubin und Höhenleitner neben Center Festerling stellte in diesem Spiel keinen Faktor dar und fiel am deutlichsten ab. Kein Wunder, hatte es diese Konstellation bisher nicht einmal ansatzweise in dieser Form gegeben. Die von Mathis Olimb geführte Reihe erlaubte sich eine produktive Schaffenspause, ging aber wie alle anderen mit viel Einsatz zur Sache. Olimb empfiehlt sich mit Aktionen wie vor dem 0:2 allerdings nicht für eine Vertragsverlängerung. Dieses Gezocke an der gegnerischen blauen Linie, das in den unmöglichsten Momenten dann schief geht, muss er ganz dringend abstellen! Der einzige, der in Wolfsburg damit durchkommt, ist Jeff Likens - und auch der sollte momentan keine Chance auf einen Anschlussvertrag haben. Psychologisch betrachtet, war diese Aktion der Genickschuss für die Wolfsburger Ambitionen auf Punkte - vor allem nach einem derart überlegen geführten, aber fruchtlosen Spielabschnitt. Mit Lessio, Johansson und Furchner fehlt momentan offenbar zu viel Qualität, um den Teams von oben Punkte abknöpfen zu können. Leider. mb