Vorweihnachtlicher Kampf um die Geschenke

Um es vorweg zu nehmen: Geschenkt wurde an diesem Abend keinem etwas. Obwohl die Gäste vom Seilersee mit der spektakulären Quote von drei Siegen aus den letzten 19 Begegnungen angereist waren, lieferten sie den Grizzlys einen beherzten Fight.
Besonders im Auftaktdrittel schnupperten die Roosters dabei an einem vierten Sieg im zwanzigsten Spiel. Wolfsburgs hatte den Start in die Partie zwar nicht verpasst, wirkte aber zunächst etwas zu abwartend und rieb sich ohne die letzte Konsequenz in zahlreichen Zweikämpfen auf.
Während echte Torchancen in den Anfangsminute Mangelware geblieben waren, nutzten die Gäste ihre erste wirklich klare Gelegenheit zur Führung! Michael Halmo war es, der in der 12.Spielminute eine schöne Kombination der Roosters vollendet hatte und der bis dahin etwas verfahren wirkenden Partie einen neuen Impuls gab. Leider schien dieser Impuls vor allem die Gäste zu packen, die nach einem Wolfsburger Puckverlust gleich den nächsten Hochkaräter vorzuweisen hatten (13.). Doch im 1 gegen1 Duell mit Felix Brückmann sollte der enteilte Grenier den Kürzeren ziehen.
Mitten in die Iserlohner Druckphase gelang es den Gastgeber dann den etwas überraschenden Ausgleich zu platzieren. Jones hatte einfach mal von der Blauen durch den Traffic aufs Tor gehalten (16.) und sollte tatsächlich Erfolg haben. Ohne jede Sicht musste Roosters-Goalie Peters den Puck passieren lassen. Mit etwas Glück rettete Wolfsburg dieses schmeichelhafte Unentschieden in die Pause, um dann erneut etwas stotternd zu starten.
Dass Iserlohns Überzahlspiel das mit Abstand Schlechteste darstellt, was die Liga zu bieten hat, durften die Gäste zu Beginn des Mittelabschnitts (22.) demonstrieren. Nachdem dies eindrucksvoll geschehen war, sollte der Wendepunkt des Spiels folgen.
Zunächst nutzte Wolfsburg seine erste Überzahlgelegenheit überhaupt, um die Partie durch Fauser (25.) zu drehen, eine Zeigerumdrehung später flogen in der Eisarena bereits die Fäuste. Nick Latta hatte nach einem späten Hit durch Halmo die "Einladung zum Tanz" ausgesprochen. Das Iserlohner Raubein nahm dankend an und schon begann der Meinungsaustausch zwischen den beiden Akteuren, der am Ende keinen deutlichen Punktsieger hervorbringen sollte. Angenehmer Nebeneffekt aus Wolfsburger Sicht: Der bis dahin auffälligste Spieler der Gäste durfte sich das Geschehen bis zur Drittelpause von der Strafbank aus anschauen und Wolfsburg übernahm nun immer deutlicher das Zepter auf dem Eis.
Die Roosters reagierten sichtlich genervt auf diesen Wandel und forcierten nun ihrerseits den "Dreckfaktor" der Begegnung. Ein daraus resultierendes Powerplay nutzten die Grizzlys wiederum zur fast schon vorentscheidenden 3:1 Führung. Kapitän Fauser hatte die Seinen mit einem schönen Kabinettstück entzückt, als er das Anspiel mit dem Rücken zum Tor direkt mit der Rückhand in den Giebel setzen konnte (35.). Das ohnehin gut gelaunte Publikum kam nun endgültig aus sich heraus und feierte den Auftritt ihres Teams bis zum noch reichlich entfernten Schlusspfiff.
Während Iserlohn sich im letzten Drittel mehr schlecht als recht an einer Aufholjagd versuchte, gelang Spencer Machacek sogar der vierte Treffer (48.) für die Hausherren.
Nach diesem unhaltbar abgefälschten Tor erlahmte die Gegenwehr der Gäste spürbar und der Frust übernahm das Kommando. Die entsprechenden Strafen verhinderten ein Comeback der Gäste ebenso wie die fehlenden spielerischen Mittel der bis dahin aufopferungsvoll kämpfenden Sauerländer. Als auch die letzten, wieder etwas druckvolleren Minuten der Roosters überstanden waren, konnten die vorweihnachtlichen Feierlichkeiten beginnen. Fans, Spieler und vor allem auch deren Nachwuchs genossen dieses fröhliche Adventshighlight sichtlich und dürfen sich nun, dem Spielplan sei dank, auf Weihnachten daheim freuen. Sicherlich nicht das Schlechteste für die Moral der Truppe!

Teamcheck

Tor
Felix mit ganz starkem Auftritt. Strahlt mittlerweile die von früher bekannte Ruhe aus. Fehlerlos und zweimal mit großen Rettungstaten, die einen anderen Spielverlauf (1.Drittel!) verhinderten. Sieht so aus, als würde uns die Katze zum Abschied noch einmal eine echte Sahnesaison schenken können.

Verteidigung
Jeff Likens fährt beim Gegentreffer völlig aus der Position, baut ansonsten aber wenig Mist und hat Bock auf Körperspiel. Was soll's: Bitte, so weitermachen!
Höhi ist als Verteidiger ein echter Gewinn für das Team. Bitte noch 1-2 Saisons als Defender dranhängen! Vielleicht muss er dann ja nicht immer mit Likens zusammenspielen ;)
Für U23 Talent Maxi Adam stellt der Sturm bislang die bessere Wahl dar. Leider.
Jones mutiert mittlerweile zum Torjäger - was ist da los?!
Bergman und Wurm fallen weiter aus.

Sturm
Kapitän Fauser geht mit gutem Beispiel in allen Bereichen (Forecheck, Kampf, Torriecher, Defense usw.) voran. Für mich, neben Machacek und Bittner, auf dem Eis der für das Kapitänsamt geeignetste Grizzly.
Valentin Busch bestätigt weiterhin seine gute Form und fügt seinem Punktekonto zwei weitere Assists hinzu. Auf den Centerpositionen machen Pfohl, Festerling und Olimb momentan allesamt einen guten Job und fangen damit viel von den Ausfällen (Lessio, Furchner, Johansson) auf. Aubin kann offenbar nur dosiert Eiszeit nehmen, ist aber nach seinem Formtief verbessert zurückgekehrt. Valentin, Möchel und Adam eher unauffällig. Latta bringt mit dem Fight genau an der richtigen Stelle die richtige Botschaft ins Spiel: Wir lassen uns nichts gefallen...und setzen nebenbei Euren Besten für 14 Minuten auf die Strafbank!
Das passte soweit alles gut zusammen. Am Donnerstag ist gegen die Haie natürlich eine Leistungssteigerung nötig, damit der Spaß weitergehen kann! mb